AIST

Allgemeiner Interessen-Struktur-Test mit Umwelt-Struktur-Test (UST-R) – Revision

1., Revision Auflage

Von C. Bergmann und F. Eder

Der AIST-R ist eine grundlegende Neubearbeitung (Itemrevision, Neunormierung etc.) des AIST (1992, 1999) und dient der Erfassung schulisch-beruflicher Interessen auf der Basis des Modells von J. L. Holland. Er besteht aus 60 Items, mit denen sechs Interessendimensionen gemessen werden: R: Praktisch-technische Interessen (Realistic) I: Intellektuell-forschende Interessen (Investigative) A: Künstlerisch-sprachliche Interessen (Artistic) S: Soziale Interessen (Social) E: Unternehmerische Interessen (Enterprising) C: Konventionelle Interessen (Conventional)

Der Umwelt-Struktur-Test (UST-R) ist ein mit dem AIST-R korrespondierendes Verfahren, das die Beschreibung schulisch-beruflicher Umwelten nach den selben Dimensionen erlaubt. Zusätzlich enthält das Manual ein umfangreiches und aktuelles Register mit Holland-Codes für Berufe und Ausbildungen. Jedes individuelle Interessenprofil ist somit mit entsprechenden Berufsempfehlungen verknüpfbar.

Einsatzbereiche

Berufs- und Laufbahnentscheidungen von Jugendlichen und Erwachsenen (Berufsorientierung; Ausbildungs-, Studien- und Berufsberatung; innerbetriebliche Personalentwicklung).

Konstruktionsgrundlagen

Der Test basiert auf dem Person-Umwelt-Modell von J. Holland (1973, 1985, 1997), s.u.

Inhalte

Nach der berufsbezogenen Persönlichkeitstheorie von J. Holland gibt es in unserem Kulturkreis sechs grundlegende Interessen- bzw. Persönlichkeitsorientierungen. Der AIST erfaßt diese sechs Interessendimensionen, die als Persönlichkeitsorientierungen interpretiert werden können:

(1) „Praktisch-technische Orientierung“ (R – realistic)

Personen dieses Typs bevorzugen Tätigkeiten, die Kraft, Koordination und Handge­schicklich­keit er­fordern und zu kon­kreten, sichtbaren Ergebnissen führen. Sie weisen Fähigkeiten und Fertigkeiten vor allem im mechanischen, technischen, elektrotechnischen und landwirtschaftli­chen Bereich auf, wäh­rend sie erzieherische oder soziale Aktivitäten eher ablehnen.

(2) „Intellektuell-forschende Orientierung“ (I – investigative)

Personen dieses Typs bevorzugen Aktivitäten, bei denen die Auseinandersetzung mit physi­schen, bio­logischen oder kul­turellen Phänomenen mit Hilfe systematischer Beob­achtung und Forschung im Mit­telpunkt steht. Sie weisen Fähig­keiten und Fertigkeiten vor allem im mathe­matischen und naturwis­sen­schaftlichen Bereich auf.

(3) „Künstlerisch-sprachliche Orientierung“ (A – artistic)

Personen dieses Typs bevorzugen offene, unstrukturierte Aktivitäten, die eine künstleri­sche Selbst­dar­stellung oder die Schaffung kreativer Produkte ermöglichen. Ihre Fähig­kei­ten liegen vor allem im Be­reich von Sprache, Kunst, Musik, Schauspiel und Schriftstelle­rei.

(4) „Soziale Orientierung“ (S – social)

Personen dieses Typs bevorzugen Tätigkeiten, bei denen sie sich mit anderen in Form von Unterrich­ten, Lehren, Ausbil­den, Versorgen oder Pflegen befassen können. Ihre Stärken liegen im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen.

(5) „Unternehmerische Orientierung“ (E – enterprising)

Personen dieses Typs bevorzugen Tätigkeiten und Situationen, bei denen sie andere Menschen mit Hilfe der Sprache oder anderer Mittel beeinflussen, zu etwas bringen, füh­ren, auch mani­pulieren können. Ihre Stärken liegen im Bereich der Führungs- und Überzeugungsqualität.

(6) „Konventionelle Orientierung“ (C – conventional)

Personen dieses Typs bevorzugen Tätigkeiten, bei denen der strukturierte und regelhafte Um­gang mit Daten im Vorder­grund steht, z.B. Aufzeichnungen führen, Daten speichern, Dokumentationen führen, mit Büromaschinen arbeiten u.ä. (ordnend-verwaltende Tätigkeiten). Ihre Stärken liegen im Bereich rechnerischer und geschäftlicher Fähigkeiten.

Das Berufsregister des Testmanuals enthält etwa 300 Berufe sowie Ausbildungsmöglichkeiten, die nach diesen Dimensionen (RIASEC) charakterisiert sind. Sie können als Grundlage für die Überprüfung der Person-Umwelt-Kongruenz bzw. für die Auswahl persongemäßer (kongruenter) beruflicher Umwelten herangezogen werden.

Frage- und Antwort-Formate

Der AIST umfaßt pro Dimension je 10, insgesamt 60 Items mit Aktivitäten, zu denen auf einem 5-stufigen Anwortformat das Ausmaß des Interesses angegeben wird.

Subtests: Der AIST erfaßt 6 gut unterscheidbare Dimensionen, die aber wegen ihres Modellzusammenhanges sinnvollerweise als Ganzes erhoben werden sollen.

Gütekriterien

Das Verfahren weist die für Fragebogenverfahren zu erwartende Objektivität und gute Kennwerte für die Reliabilität (Cronbach‘s Alpha in der Konstruktionsstichprobe zwischen .81 und .89; Stabilitäten über 3 Monate zwischen .67 und .83) auf. Es liegen umfangreiche Validitätsanalysen hinsichtlich der Gültigkeit der zentralen Konzepte (Kongruenz, Differenziertheit) sowie zur prognostischen Validität des Verfahrens mit überzeugenden Ergebnissen vor (vgl. Handanweisung bzw. Literatur s.u.).

Interne Konsistenz zwischen α = .82 und α = .87; Stabilitäten über 3 Monate zwischen .67 und .83) auf. Es liegen umfangreiche Validitätsanalysen hinsichtlich der Gültigkeit der zentralen Konzepte (Kongruenz, Differenziertheit) sowie zur prognostischen Validität des Verfahrens mit überzeugenden Ergebnissen vor (vgl. Handanweisung bzw. Literatur s.u.).

Normen

Z-Werte, gesamt und nach Geschlechtern differenziert (N = 2.496; 14 bis 28-jährige Jugendliche und junge Erwachsene).

Testmaterial

Als Papier-Bleistift-Verfahren (Beltz Test-Verlag) umfasst das Verfahren 20 AIST-Testexemplare einschließlich Auswertungsblatt, Auswertungsschablone und Handan­weisung. Zusätzlich enthält die Testmappe unter der Bezeichnung Umweltstrukturtest (UST) 20 UST-Testexemplare, mit denen – anhand derselben Items mit geänderter Instruktion – berufliche Umwelten erfasst bzw. charakterisiert werden können.

Computer-Versionen des AIST-R existieren im „Hogrefe-Testsystem“ sowie von der Fa. Dr. G. Schuhfried Ges.m.b.H.

Bearbeitungsbedingungen und -dauer

Das Verfahren ist als Einzel- und Gruppenverfahren administrierbar; Bearbeitungsdauer ca. 10 min; in den Computerversionen auch durch Nichtpsychologen bzw. weitgehend ohne externe Unterstützung administrierbar.

Ergebnisrückmeldungen

Die Standardauswertung ergibt ein Interessen- (bzw. Umwelt-) profil, das bei individueller Anwendung im Auswertungsgespräch kommunikativ validiert werden kann. (durch Überprüfung der Übereinstimmung mit selbst wahrgenommenen Interessenschwerpunkten). Darüber hinaus Angaben zur Differenziertheit des Interessenprofils, zur Konsistenz (Stimmigkeit) der dominierenden Personorientierungen sowie zur Interessengemäßheit (Kongruenz) der erwogenen Ausbildungs- bzw. Berufsalternativen.

Die Computerversionen erlauben die maschinelle Erstellung eines Interessenprofils mit grafischem Output. Die Version der Fa. Schuhfried erlaubt optional den Ausdruck von Hinweisen auf mit dem Interessenprofil korrespondierende Berufe.

Publikationen

Bergmann, C. (1993). Differenziertheit der Interessen und berufliche Entwick­­lung. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 14, 265-279.

Bergmann, C. (1994). Gemessene versus artikulierte Interessen als Prädik­toren der Berufs- bzw. Studienfachwahl und Anpassung im Studium>. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 38, 142-151.

Bergmann, C. (1998). Bedingungen und Auswirkungen einer interessenent­sprechenden Studienwahl. In J. Abel & C. Tarnai (Hrsg.). Pädagogisch-psycho­logische Interessenforschung in Studium und Beruf (S. 29-43). Münster: Waxmann.

Bergmann, C & Eder, F. (1999). Allgemeiner Interessen-Struktur-Test (AIST) / Umwelt-Struktur-Test (UST). Manual (2. Auflage). Göttingen: Beltz-Test-Verlag.

Bergmann, C & Eder, F. (2000). Geschlechtsspezifische Interessen in der Sekundarstufe II. Empirische Pädagogik, 14, 255-286.

Eder, F. (1998). Differenziertheit der Interessen als Prädiktor der Interessenentwicklung. In J. Abel & C. Tarnai (Hrsg.). Pädagogisch-psycho­logische Interessenforschung in Studium und Beruf (S. 63-77). Münster: Waxmann.

Eder, F. & Reiter, C. (2003). Interessen und Schullaufbahn. In C. Wallner-Paschon & G. Haider (Hrsg.). PISA PLUS 2000. Thematische Analysen nationaler Projekte. Innsbruck:StudienVerlag (S. 111-116).

Erfahrungen in der Wirtschaftspraxis

Neben der Verwendung in der Ausbildungs- und Berufsberatung bei der beruflichen Ersteinmündung (in Berufsinformationszentren, Maturanten-/Abiturienten- und Studienwahlberatung) auch Einsatz im Zusammenhang mit Berufswechsel bzw. beruflicher Umschulung (Berufsorientierungsmaßnahmen).

Sonstiges

Fremdsprachige Versionen des AIST: Tschechisch (PC-Version), Englisch (PC-Version), Italienisch (PC-Version), Portugiesisch (PC- und Papier-Bleistift-Version), Schwedisch (PC-Version).

e-mail: testzentrale@hogrefe.de

Internet Adresse http://www.testzentrale.de/?mod=detail&id=587

http://www.hogrefe-testsystem.com/ztd/HTS/inftest/catalogs4/DE/4DE001/webcatalog.htm

email: schuhfried@adis.at

homepage: http://www.schuhfried.co.at